Holzminden
Erinnern vor Ort
Zahlreichen polnische und russische Tote aus den verschiedenen „Ostarbeiterlagern“ der Region Holzminden wurden auf dem jüdischen Friedhof in Holzminden, gelegen neben dem städtischen Friedhof in der Allersheimer Straße, bestattet. Unter ihnen befinden sich auch drei Niederländer, ein Serbe sowie ein Jugoslawe. Sieben Italiener wurden 1958 in ihre Heimat überführt. Zwei Gedenksteine wurden in den 1960er Jahren von der Stadt Holzminden in Zusammenarbeit mit dem Staatshochbauamt errichtet.

Gedenkstein u.a. für 58 Zwangsarbeiterkinder, 2009
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"Als Opfer des Krieges wurden hier in den Jahren 1942-1945 46 russische Männer und Frauen sowie 58 Kinder zur letzten Ruhe bestattet"
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Gedenkstein, 2009
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"Als Opfer des Krieges wurden hier in den Jahren 1942-1945 4 russische Soldaten sowie 17 polnische Staatsangehörige zur letzten Ruhe bestattet"
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Ein weiterer Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof von 1995 erinnert an zwei Zwangsarbeiter, die nur wenige Tage vor Kriegsende Anfang April 1945 ihr Leben ließen – Alexejevna Filippova, die bei einem Bombenangriff starb, und der 18jährige Alexei Andreewa; er wurde direkt auf dem Friedhof erschossen, nachdem er sich aus einem zerbombten Haus Kleidung genommen hatte.

Gedenkstein für zwei Zwangsarbeiter, 2009
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"Als Zwangsarbeiter unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft starben [NAMEN und DATEN] Wir gedenken ihrer 8.5.1995"
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Darüber hinaus wurde 2002 in Zusammenarbeit mit der ev. Kirche Holzminden und dem Kulturausschuss der Stadt durch den Stadtarchivar, Dr. Matthias Seeliger, ein Gedenkbuch geschaffen, das die Möglichkeiten zur Erinnerung an ehemalige ZwangsarbeiterInnen eröffnet. Es kann die unterschiedlichen Schreibweisen der ausländischen Namen berücksichtigen, was eine geplante Buntsandsteintafel nicht hätte leisten können. Das Buch liegt in der sogenannten „alten Friedhofskapelle“ aus. Dies wird zudem im Rahmen eines Schülerprojektes des Campe Gymnasiums als Gedächtnisort weiter ausgestaltet.
An den jüdischen Friedhof am Beukampsborn in Holzminden erinnert neben einem wieder dorthin versetzten Grabstein eine kleine Gedenktafel aus Messing.

Jüdischer Friedhof 2010 (Detlef Creydt)
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"Historischer Friedhof der Jüdischen Gemeinde Holzminden Er diente der Gemeinde von 1743 bis 1885. Vor seiner Schließung lagen hier 85 Grabstellen. Diese teils wertvollen Grabsteine wurden in der NS-Zeit entfernt. Das Gräberfeld wurde für den Bau einer Baracke sowie zum Teil für die Anlage der Straße benutzt."
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Auch auf den Friedhöfen in Mühlenberg und Neuhaus sind Zwangsarbeiter bzw. Kriegsgefangene bestattet. Ein Gedenkstein in Neuhaus erinnert seit 1990 an zwei 1944 gestorbene Russen. Die Namen der beiden Soldaten konnten zwischenzeitlich ermittelt werden: Es handelt sich um Pietro Nigariow, gestorben am 23. April 1944 und um Jury Nienatienko, gestorben am 13. September 1944.

Gedenkstein in Neuhaus 2010 (Detlef Creydt)
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"Gekämpft Gelitten Gestorben Warum? 2 Russ. Gefangenen 1945"
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Grabstelle auf dem Mühlenberger Friedhof 2010 (Detlef Creydt)
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Im November 1999 wurde in Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Bürger und auf Initiative von Klaus Kieckbusch von der Stadt Holzminden eine zentrale Erinnerungstafel angebracht. Sie befindet sich im Katzensprung unweit des Torhauses.

Gedenkstein 2010 (Detlef Creydt)
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Im Durchgang des Torhauses selbst sind bereits seit 1971 Pfeilerreste der Synagoge zusammen mit einer Erinnerungstafel zu finden.

Pfeiler- und Kapitelreste der ehem. Synagoge 2009
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"Pfeiler- und Kapitelreste der 1837 Erbauten und 1938 zerstörten, im Jahre 1968 abgebrochenen Synagoge [HEBRÄISCHER TEXT] Denn mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker - Jes. 56/7 -"
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Initiativen und AnsprechpartnerInnen
Heimat- und Geschichtsverein Holzminden e.V. Der Heimat- und Geschichtsverein für Landkreis und Stadt Holzminden e.V. (HGV) wurde 1983 gegründet, um das Interesse für die Heimat- und Naturkunde sowie für die regionale Geschichte auf breiter Grundlage zu wecken und ihre wissenschaftliche Erforschung zu unterstützen. Seine Arbeitsgruppe „Spurensuche und Spurensicherung Drittes Reich im Landkreis Holzminden“ befasst sich seit 1987 mit den Vorgänge zur sogenannten Machtübernahme, der Verfolgung aus rassischen, religiösen und politischen Gründen,
der Zwangsarbeit sowie dem Zweite Weltkrieg. Seit dem Rücktritt ihres Vorsitzenden Detlef Creydt zum Jahr 2010 ruht die Arbeitsgruppe. » weitere Infos
Klaus Kieckbusch Der Holzmindener Historiker Kieckbusch engagiert sich und forscht seit vielen Jahren zum Themenbereich Jüdische Geschichte und Verfolgung in Holzminden sowie dem südlichen Landkreis Holzminden, insbesondere an der Geschichte dörflicher Gemeinden oder jüdischer Einzelfamilien. » weitere Infos
Bernhard Gelderblom Bernhard Gelderblom beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit der jüdischen Geschichte in der Region Hameln und dem Weserbergland, das sich auch in den nördlichen Landkreis Holzminden erstreckt. Später kamen als weitere Themen hinzu das Reichserntedankfest auf dem Bückeberg, NS-Zwangsarbeit und Zuchthaus in Hameln sowie das Außenlager in Holzen bei Eschershausen. Gelderbloms Interesse gilt zudem der NS-Nachgeschichte in Hameln. » weitere Infos
Detlef Creydt Detlef Creydt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit regionalgeschichtlichen Themen. Er war Gründungsmitglied des Heimat- und Geschichtsvereins Holzminden e.V. und bis 1990 dessen 1. Vorsitzender. Er gründete die AG "Spurensuche und Spurensicherung Drittes Reich im Landkreis Holzminden“ (1987 – 2010) und forschte intensiv zur NS-Zwangsarbeit im Landkreis Holzminden. » weitere Infos
Campe-Gymnasium Holzminden Hans-Joachim Sach ist Lehrer am Campe-Gymnasium in Holzminden. Zusammen mit Schülern führt er u.a. Projekte zum Thema Nationalsozialismus in Holzminden und Umgebung durch. » weitere Infos
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